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Leerstehende Wohnungen contra leerstehende Stadtbusse
Leerstehende Wohnungen contra leerstehende Stadtbusse
in Leerstände in der Altstadt füllen oder neues Bauland ausweisen? 29.01.2010 19:33von Wolfgang Schröpfer • 44 Beiträge
Zu der Diskussion über Baulandausweisung und Leerstände in der Altstadt
Kandidat Krimm will Leerstände, die in einem Leerstandskataster erfasst wurden, bevorzugt vermarkten oder vermitteln. Erst in zweiter Linie soll maßvoll Bauland ausgewiesen werden.
Ich will auf die auch im Leerstandkataster erfassten leerstehenden Wohnungen in der Altstadt eingehen.
Als Miteigentümer (ein Viertel geerbt – ein Viertel finanziert) eines größeren Hauses in der Altstadt bin ich von dieser Thematik betroffen. Natürlich ist gut, dass jemand auf die Idee gekommen ist, eine Bestandsaufnahme der Leerstände zu machen. Mit gutem Zureden wird man die Lage aber nicht verbessern. Insofern hat Robert Ilg recht, wenn er sagt, dass der Bauland oder Wohnungssuchende frei in der Entscheidung ist, in welche Gemeinde er zieht, und dann eben die wählt, in der er ein Angebot passend zu seinen Bedürfnissen findet.
Derjenige, der die Stadt Hersbruck schon als Wohnort auserkoren hat – meistens weil er hier einen Arbeitsplatz oder sonstige Bindungen hat - ist auch frei in der Entscheidung, ob er in die Altstadt oder ins Buchgebiet oder z. B. auf die Ostbahn zieht.
Wenn es nun immer mehr leerstehende Wohnungen in der Altstadt gibt, muß man (als Stadtrat) doch sehen, welche Standortvor- und Nachteile es in der Altstadt gegenüber den Randgebieten gibt und umgekehrt. Da es viele leerstehende Wohnungen in der Altstadt gibt, lässt das darauf schließen, dass es gegenüber den Randgebieten deutliche Standortnachteile gibt. Die Aufgabe einer Bürgervertretung könnte es nun sein, diese Nachteile nicht noch zu vergrößern, sondern versuchen, diese Nachteile durch geeignete Maßnahmen auszugleichen.
Zum besseren Verständnis hier eine spontan und wahrscheinlich unvollständig erstellte Liste der Standortvor- und Nachteile für die Altstadt aus der Sicht eines Mieters.
Standortvorteile in der Altstadt:
Alles ist ohne Auto erreichbar (außer Einkaufszentrum PEZ).
Leben in historischen Mauern (na ja)
Eventuell günstige Mieten.
Mit Glück einen Hinterhof.
Standortnachteile in der Altstadt:
Schlechte Parkplatzsituation
Wohnen in schlechter Bausubstanz.
Eventuell noch Ofenheizung.
Dunkle Wohnungen - keine Aussicht wg. enger Bebauung.
Wohnen ohne Balkon
Wohnen ohne Garten.
Wohnen ohne Lift.
Stark erhöhte Ausgaben wegen Denkmalschutz.
Sehr oft sind die Standortnachteile der Altstadt die Vorteile der Randgebiete. Das heißt: In den Randgebieten finden sie Wohnungen mit Balkon oder Garten und moderner Bausubstanz sowie oft geringeren Heizkosten.
Es wurde nun vor Jahren einer der Standortnachteile der Randgebiete – man braucht ein Auto – durch die Anschaffung der Stadtbusse zunichte gemacht. Vorher war die Altstadt für Leute ohne Auto attraktiv. Jetzt können Leute ohne Auto auch in Randgebieten wohnen. Somit ist damit einer der ganz wenigen Standortvorteile der Altstadt durch diese Entscheidung des damaligen(!) Stadtrates zunichte gemacht worden. Und die Allgemeinheit gibt jedes Jahr für die Stadtbusse (und für die Bewohner der Randgebiete) 400 000 € aus!
Wer wohnt den in der Altstadt außer manchen Eigentümern? Leute mit geringem Einkommen – oft auch mit Migrationshintergrund. Aber fast keine Stadträte und Bürgermeister. Gibt es deswegen es hier keine Lobby.
Für die Hauseigentümer ist das ein Teufelskreis. Ist die Wohnung nur zu schlechten Preisen zu vermieten, fehlt das Geld für Modernisierungen und umgekehrt. In jeder Strasse findet man Häuser in schlechtem Zustand. In den einschlägigen Internetportalen werden diese Häuser wie saures Bier angeboten. Aber wer will sich das antun?
Dazu kommt noch der Denkmalschutz. Wir modernisieren gerade siebzehn Fenster in unserem Haus für über 20000 Euro. Wenn wir keine Auflagen des Denkmalschutzes hätten, könnten wir theoretisch für die Hälfte erneuern. Dann wäre auch noch mittelfristig eine Fassadenerneuerung denkbar gewesen. Dies fällt jetzt womöglich für die Zeit meiner Eigentümerschaft flach. Man will ja nicht immer nur reinstecken müssen.
Die Stadt Hersbruck hat zwar ein Fassadenprogramm genanntes Hilfsprogramm. Das kann den Mehraufwand wegen Denkmalschutz (siehe Fenster) aber nicht im Ansatz ausgleichen. Wenn man denn überhaupt die butterweichen Vergaberichtlinien erfüllt. Und der weitaus größte Teil der Renovierungssumme ist sowieso immer noch vom Eigentümer zu bezahlen. Wenn dann Hersbruck kein Geld hat, gibt’s sowieso nichts.
Ich finde dann im Gegenzug die wahnsinnig teuren und zu wahnsinnigen fünf Prozent ausgelasteten Stadtbusse eine Zumutung. Von den Personen die vor Jahrzehnten in die Randgebiete gezogen sind, wusste damals doch jeder, dass er ein Auto braucht. Das waren doch alles erwachsene Leute mit selbständigen Entscheidungen. Wieso brauchen die jetzt Stadtbusse?
Für die jährlichen 400 000 € Ausgaben für Stadtbusse könnte man den durch Denkmalschutzauflagen geforderten Mehraufwand für z. B. unsere Fenster jedes Jahr vierzigmal ausgleichen!!! Wenn die Stadt diese Mehraufwendungen übernähme, würde sich das Gesicht der Stadt in zehn Jahren erheblich verbessern!
Lange Rede kurzer Sinn: Eigentümer eines Anwesens in der Hersbrucker Altstadt zu sein ist keine Lust, sondern eine Last. Die Stadt Hersbruck täte gut daran, nicht jedes Jahr unsinnige Stadtbusse mit wahnsinnigen Summen zu bezahlen, und damit noch den einzigen Standortvorteil der Altstadt zunichte zu machen. Statt dessen sollte dieses Geld verwendet werden, um den denkmalschützerischen Mehrauwand auszugleichen, den die Randgebiete eben nicht haben. Nur dann werden die Leerstände geringer und historische Bausubstanz kann erhalten werden.
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